Fasse bitte mal mit deinen Worten zusammen, welche Grundbedürfnisse die Jugendlichen haben, auf die ihr Euch besonders fokussiert:
Riki M.-M.: Essen, sich selbst ausdrücken, in der Community agieren, sich Ausprobieren in der eigenen Verantwortung und auch Fehler machen dürfen.
Was waren eure Wünsche und Ziele, als ihr das Konzept geändert und Ideen des Erdkinderplans mit aufgenommen habt?
Riki M.-M.: Unser Traum war es, irgendwo einen Bauernhof oder auch ein Grundstück zur Verfügung zu haben, wo wir gemeinsam arbeiten und den Erdkinderplan zumindest teilweise umsetzen können. Wir hatten schon seit Längerem ein Grundstück in Mögeldorf, bei dem wir das bereits versucht haben, allerdings auch sehr viele Auflagen und Restriktionen erfüllen mussten. Letztendlich durften wir nichts von unseren Plänen zur Umsetzung des Erdkinderplans verwirklichen. Damit waren wir sehr unzufrieden und mussten dann unser Konzept ändern.
Wie habt ihr euch vorbereitet?
Riki M.-M.: Die Pädagoginnen und Pädagogen haben an insgesamt sechs Wochenenden eine Fortbildung zum Erdkinderplan bei Laura Behrens von Blickpunkt Montessori besucht und sich intensiv mit den Entwicklungsstufen der Jugendlichen nach Maria Montessori auseinandergesetzt. Im Anschluss an die Schulung haben wir ein zu unseren Bedingungen passendes Konzept als Stadtschule mit rund 80 Kindern erarbeitet und gemeinsam mit Änne Martinez Moya und Benjamin Stockmeyer am Stundenplan getüftelt.
Zentrale Fragen waren: Wie schaffen wir diese Änderung ohne zu gravierende Eingriffe, sodass wir auch eine Kontinuität gewährleisten können? Können wir das mit dem eigenverantwortlichen Kochen gemäß Erdkinderplan überhaupt umsetzen? Auch das hatte viel mit der Planung des Stundenplans zu tun und für die Fachlehrkräfte, die sowohl für die Jugendstufe als auch für die Oberstufe im Einsatz sind. Das waren wirklich riesige Herausforderungen und letztendlich haben wir dann zu sechst an diesem Konzept gearbeitet. In unserem Mentoren-Team sind wir auch aktuell ständig am Anpassen und Nachschärfen des Konzepts: Wo läuft’s gut? Was könnten wir auf andere Bereiche ausweiten? Jeden Freitag vor den Ferien treffen wir uns, um nochmal zu reflektieren und retrospektiv auf die vergangene Epoche zu schauen.
Was ist eine Epoche?
Riki M.-M.: Die thematische Unterteilung und auch die Etappen zur schulischen Zielerreichung, die Zeit zwischen zwei Ferien, also insgesamt sechs Stück pro Schuljahr. Am Ende der Epoche werden Prüfungen z.B. in Mathematik geschrieben. Die Epochenunterteilung gab es bereits vorher und auch den Versuch, fächerübergreifend an einem Thema zu arbeiten. In der nächsten Epoche geht es um den 2. Weltkrieg, da befassen wir uns u.a. mit „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne, bei dem es um zwei Jungen geht, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus angefreundet haben
Die Umstrukturierung von Klassen zu Communities ist ja eine zentrale Änderung seit diesem Schuljahr.
Wie wurde das Schulleben in der Jugendstufe verändert?
Riki M.-M.: Die vormals drei Klassen wurden auf zwei Communities aufgeteilt mit jeweils ca. 40 Jugendlichen. In den Communities haben wir zwei Gruppen, die abwechselnd theoretisch und praktisch arbeiten. Immer montags findet das Gesamtcommunity-Treffen statt, bei dem alle zusammen sind. Darauf beharren sie auch, dass sich die Gesamtcommunity am Montag trifft. Freitags treffen sich dann nochmal die Communities 1 und 2 getrennt. Danach finden dann die Mentor*innen-Treffen statt. Aber auch hier sind wir immer wieder am Nachjustieren am Prozess. Was den Zeitablauf betrifft, steuern wir schon noch viel.
Wie sieht denn der aktuelle Ablauf des Schulalltags aus?
Riki M.-M.: Beim Ankommen in der Früh geben die Jugendlichen ihre Handys ab. Nach dem Frühstück und den zwei Community-Treffen in der Woche, tauschen sich die Mentoren mit ihnen in kleineren Gruppen von 12-13 Jugendlichen aus, unter anderem über emotionale oder aktuelle Themen. Bei der Zusammensetzung der Gruppen war uns wichtig, dass sie möglichst divers aufgeteilt und ganz bewusst nicht die Freundinnen und Freunde zusammen sind. Die 8. Klässler*innen tun sich teilweise noch hart mit dem neuen Community-System und sehnen sich nach ihrem alten Klassenverband. Da sind auch liebgewonnene Verbindungen auseinandergetrennt worden und mit dem neuen Verband ist die Gewohnheit aktuell noch nicht da. Das war schon herausfordernd, aber diese Gruppen sind gut zusammengewachsen und achten mittlerweile auch außerhalb dieser Treffen sehr aufeinander. Es lässt sich auch beobachten, dass die anfänglichen Hemmnisse, sich außerhalb dieser Peergroup auszutauschen, weniger werden.
Neben dem Fokus auf die emotionale Entwicklung geht es dort aber auch um Lernbegleitung und Lernangebote sowie Buchvorstellungen oder unterschiedliche Leseprojekte, um beispielsweise leseschwache Jugendliche gezielt zu unterstützen. Anschließend erfolgt der Fachunterricht oder die Freiarbeit. Die Fächer sind: Mathe, Deutsch, Englisch, GPG (Geschichte – Politik – Geografie), NT (Natur – Technik), Musik und Kunst. Ein zentraler Fokus in der 8. Klasse liegt nach wie vor auf der Großen Arbeit. Hier gibt es viel Kontinuität und der Stundenplan ist schon herausfordernd. Klassische Wahlfächer, wie wir sie auch schon vorher hatten, finden immer am Freitag statt. Die Laufzeit ist jeweils ein Jahr und hier gibt es die Bienen AG, Fahrradwerkstatt, Wahlfach Politik, Theater, Musik, Spanisch und sogenannte Manager-Dienste.
Gehören Manager-Dienste zum praktischen Arbeiten und zur Verantwortungsübernahme, wie sie auch im Erdkinderplan vorgesehen sind?
Riki M.-M.: Ja, zu einem zentralen Grundbedürfnis der Jugendlichen, das hierbei in den Fokus gestellt wird, gehört es, sich in der eigenen Verantwortung auszuprobieren und auch Fehler machen zu dürfen. Als Beispiele gibt es bei uns den „Pflanzen-Manager“ oder auch den „Raum-Manager“, der für ein gemeinschaftliches Jugendstufenzimmer verantwortlich ist. Aktuell suchen wir noch nach einem Namen dafür, manchmal nennen wir es „Base“. Dort können sie spielen, reden etc. Da stehen zwei Sofas, Tische und Stühle und auch ein Schminkspiegel. Das ist ihr Raum, für den sie auch selbst verantwortlich sind und individuell Pause machen dürfen. Der Raum-Manager dafür hat es am schwersten. Er muss auch das Aufräumen einfordern. Sie müssen selbst saugen, Blumen versorgen und die Küche sauber machen.
Anders als früher sind nun nicht mehr die Lehrkräfte dafür zuständig, dass diese Dienste erledigt werden, sondern da wird viel in der Community diskutiert und reguliert. Das funktioniert manchmal richtig gut, manchmal mangelt es in der Kommunikation aber auch an Wertschätzung, wenn z.B. die mitgebrachten Pflanzen nicht angemessen versorgt und gegossen werden. Bei insgesamt 40 Jugendlichen in einer Community läuft das Miteinander doch sehr unterschiedlich. Auch darüber sprechen wir.
Essen steht in deinem Ranking der Grundbedürfnisse auf Platz 1. Wie integriert ihr das im Schulalltag?
Riki M.-M.: Das gemeinsame Kochen ist ein zentraler Bestandteil aus dem Erdkinderplan: Ich tue etwas in meiner Geschwindigkeit, da gehört auch das miteinander reden dazu und die Berücksichtigung des eigenen Tempos, ohne dass man von einem Erwachsenen angetrieben wird. Der Baustein des gemeinsamen Kochens war uns deshalb sehr wichtig, da die Jugendlichen selbst für ihre Mahlzeiten verantwortlich sind und hierbei die Planung und Umsetzung selbstverantwortlich durchführen. Das Kochen ist bei ihnen ein beliebter Teil des sozialen Stundenkontingents, das sie innerhalb der 7. und 8. Klasse erfüllen müssen. Auch hier reglementiert die Gruppe sich selbst: Um 12:30 Uhr haben alle Hunger, da muss das Essen fertig sein. Wenn das nicht klappt oder das Essen nicht schmeckt, wird das untereinander besprochen und geklärt. Momentan sind wir beim Konzept „Zukochen“ d.h. wir nehmen Grundbestandteile des Catering-Angebots und ergänzen sie bzw. wandeln einzelne Bestandteile ab. Also: Nudeln oder Spätzle kommen vom Caterer, die Soße und den Nachtisch oder den Salat machen die Jugendlichen selbst. Optimal wäre, wenn wir irgendwann nichts mehr vom Caterer nehmen müssten und sie das komplett alleine abdecken können. Eine Community ist am Montag und Dienstag zuständig, die andere am Mittwoch und Donnerstag. Der Plan ist, dass so jeder 2x pro Epoche kocht. Das hat neben dem praktischen auch einen starken
sozialen Aspekt sowohl bei der Planung aber auch bei der Rückmeldung zum Essen und der daraus erfolgenden Reglementierung innerhalb der Community.
Welche weiteren praktischen Bausteine gibt es?
Riki M.-M.: Ein weiteres Beispiel ist die Vorbereitung des Schullandheims. In sieben Gruppen werden die Konzepte zum Schullandheimaufenthalt ausgearbeitet. Sie müssen sich selbst Lehrkräfte suchen, die sie hierbei unterstützen und Mitte Dezember stellt jede Community ihr Schullandheimkonzept vor, aus denen dann anschließend vom Mentoren-Team ausgewählt wird, was realistisch zu den von uns gesetzten Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann. Die Vorbereitung hierzu erfolgt gerade mit Hochdruck in der Dreiviertelstunde Ankommenszeit. Die einen wollen Outdoor, die anderen wollen ins Ausland fahren, die dritten eine Städtereise machen. Da sind sie gerade sehr eifrig und die Köpfe rauchen in der Früh. Ich bin gespannt, wie viele Fahrten, es tatsächlich geben wird.
Welche pädagogischen Rollen gibt es? Was sind die Aufgaben?
Riki M.-M.: In den zwei Communities gibt es sechs Mentor*innen (Vier Lehrkräfte und zwei Co-Kräfte) sowie zwei pädagogische Assistent*innen und die Fachlehrer für Soziales, Werken, Wirtschaft und Natur und Technik, Musik, Kunst und Religion. Die Erwachsenden sind aber auch beim Mittagessen mit dabei. Sie sitzen mit am Tisch, unterstützen beim Spüldienst und stellen sicher, dass bei der Pause diejenigen nicht gestört werden, die noch in der Freiarbeit sind. Bei technischen und handwerklichen Aufgaben bemühen wir uns gerade noch um mehr Kapazitäten unseres früheren Hausmeisters, der immer wieder die Jugendlichen bei handwerklichen Aufgaben unterstützt aber auch als Imker die Bienengruppe betreut. Auch er hat die Erdkinderplan-Ausbildung mit uns gemacht. Ich selbst begleite die Große Arbeit seit 20 Jahren, mache Einführungen in Mathe und Deutsch Grammatik. Englisch betreue ich zwar in der Freiarbeit, bin selbst aber weniger als Lehrerin, sondern eher als Mentorin und im konzeptionellen Arbeiten tätig. Jetzt führe ich hauptverantwortlich meine Mentoren-Gruppe, d.h. ich führe z.B. alle Elterngespräche und bekomme vorher die Infos zum aktuellen Stand von den anderen.
Thema „Lernen“: Viele Eltern haben die Sorge, dass ihre Kinder nicht genügend Stoff mitbekommen…
Riki M.-M.: Ja, diese Sorge gab es auch schon vor der Umstellung des Konzepts. Ich als Mutter kann das gut nachvollziehen. 70% der Jugendlichen kommen mit der Pubertät in eine große Lethargie, in der sie nicht mehr so fleißig wie vorher arbeiten. Vor der Umstellung hatten die Eltern die scheinbare Sicherheit, wenn es einen festen Klassenverband mit einem festen Lehrplan gibt, dass das Kind den ganzen Stoff mitbekommt. Nun geht es darum, dass sie etwas Konkretes schaffen, z.B. eine Loggia mit Dach, wobei die Jugendlichen fächerübergreifend das Ganze planen, mathematisch berechnen und umsetzen müssen. Das ist nun eine interdisziplinäre Leistung, bei der man nicht den Lehrplan mit den einzelnen Fächern runterbrechen kann, um Würfel, Zylinder und Prismen zu berechnen. Die Anwendung ist also anders, aber den Lehrplaninhalt müssen sie hier trotzdem lernen. Vielleicht können wir auch Ängste nehmen, wenn wir sagen, dass wir nicht alles umkrempeln. Es gibt noch Fachunterricht, die Studierzeit, die wir zwar etwas anders machen, aber wir sind als bayerische Schule an den allgemeingültigen Lehrplan gebunden und natürlich werden die vorgegebenen Themen hier auch umgesetzt. Man könnte sagen die Jugendstufe unterteilt sich jetzt in einen Erdkinderplan mit Studierzeit. Meine eigene Tochter
studiert inzwischen, aber ich weiß auch noch, dass auch ich mir in der 8. Klasse große Sorgen gemacht habe. Ich fürchte, die können wir den Eltern auch nicht ganz nehmen. Hier geht es darum, als Eltern einerseits mehr Vertrauen in die eigenen Kinder zu entwickeln. Dieser Prozess passiert langsam. Andererseits erfordert es auch das Vertrauen in uns, dass wir alles mit ihnen umsetzen, was sie brauchen.
Was meinst du damit?
Riki M.-M.: Ich habe als Lehrerin so viele Jugendliche gehabt, bei denen ich selbst überrascht wurde, wie die über sich hinausgewachsen sind, obwohl die Anlagen zunächst nicht erkennbar waren. Es gab viele Situationen und Jugendliche, bei denen wir uns die Haare gerauft haben, weil sie schwer zu motivieren waren. Und wenn ich sie heute sehe und auch die Persönlichkeiten sehe, die sich da entwickelt haben, bin ich glücklich und stolz, dass ich diese Menschen auf dem Weg dorthin begleiten durfte. Auch wenn mein Beitrag nur ein kleiner Kieselstein war. In dem jetzigen Alter geht es in erster Linie darum, die Jugendlichen zu begleiten, die Stärken rauszuholen, das, was sie können zu spiegeln und eben nicht zu sagen „Jetzt hast Du wieder kein Mathe gemacht“. Ihnen Aufgaben zu geben und diese zu kontrollieren, findet schon auch statt, ist aber nur ein kleiner Teil davon. Begleiten und Entwickeln ist wesentlich wichtiger. Wenn sie dann auf eine große Prüfung zugehen, sind die wie umgewandelt. Da ist dann einfach klar, dass sie das machen müssen. Das wird dann auch nicht mehr in Frage gestellt.
Was sagst du Eltern, die trotzdem hadern und zweifeln, ob sie und ihr Kind in diesem Konzept richtig aufgehoben sind?
Riki M.-M.: Ich hatte damals schon die Neuausrichtung von der Grundstufe in die Jahrgangsdurchmischung bei 5-7 mitgemacht, auch da gab es viel Unsicherheit, gleichzeitig sind auch einige gegangen. Das ist legitim, wenn ich zu viel Angst habe, muss ich da als Eltern Stellung beziehen. Auch ein „Ich halte das nicht aus“ ist eine Stellungnahme. Und damit kann ein Jugendlicher besser umgehen als mit dem dauernden Hadern. Jede Umstrukturierung ist für Eltern und Jugendliche schwer. Auch im Arbeitsleben und anderen Lebenslagen ist das so. Wenn ich plötzlich etwas anders mache, verunsichert das. Die einen vertrauen darauf, dass es gut wird, die anderen hadern oder halten es gar nicht aus. Vertrauen in uns zu haben ist das eine. Aber Vertrauen zu haben ist auch für die Jugendlichen wichtig. Natürlich auch in uns, aber wenn die Eltern das Vertrauen nicht in ihre eigenen Jugendlichen haben, wird’s für sie schwierig. Dann ist egal, in welches System sie gehen. Und ich habe wirklich Schüler und Schülerinnen, die das Gefühl haben, dass ihre Eltern ihnen nicht vertrauen. Dass auch Eltern Ängste haben ist ok, aber dass sie kein Vertrauen in ihre Kinder haben, ist eine wirklich blöde Erfahrung für sie.
Die Kritik, die ich verstärkt von Eltern höre, ist, dass die schulische Struktur verloren gegangen ist…
Riki M.-M.: Leider hängen wir noch viel zu sehr daran. Wir selbst wurden anders sozialisiert, haben Regelschulen besucht und auch Noten bekommen. Vermeintlich weiß man dort, wo das eigene Kind steht. . Da weiß ich dann auch individuell, wo die Jugendlichen stehen Bei uns gibt es bei den bereits genannten Fächern immer Einführungen, die ich selbst z.B. in Mathe für die 8. Klässler mache. Da weiß ich dann auch individuell, wo die Jugendlichen stehen und tausche mich eng mit den Kolleg*innen aus. Als Mentorin schaue ich natürlich, wo die Jugendlichen aus meiner Gruppe stehen und habe jede Woche ein Gespräch mit ihnen – zum Teil auch längere. Manchmal lasse ich mir nur die Arbeitsergebnisse zeigen oder korrigiere sie. Das nutze ich auch, um zu sehen, wo Stärken sind oder noch intensiver gearbeitet werden muss. Gegebenenfalls auch zusammen. Ich denke, das machen die Kolleg*innen auch so. Außerdem betreue ich auch die Große Arbeit in meiner Community und stimme mich dann eng mit den Mentor*innen der jeweiligen Jugendlichen ab. Darüber hinaus gibt es einen Epochenplan und Ziele, die erreicht werden müssen. In Mathe gibt’s z.B. einen Mathetest, der individuell angepasst wird. Die Themen hierzu sind im Lehrplan vorgegeben. Daran halten wir uns selbstverständlich auch. Auch wenn wir den Erdkinderplan vollumfänglich umsetzen würden, gäbe es eine sogenannte Studierzeit, in der an den Themen gearbeitet wird, die zum Lehrplan gehören. Die werden genauso eingeführt und unterstützt.
Wie kann die Schule die persönliche Entwicklung unterstützen?
Riki M.-M.: Der Schwerpunkt auf der Persönlichkeitsentwicklung wird hier in der Schule gesetzt, denn viele Eltern haben hierfür gar keine Zeit. Im Fokus steht in dieser Phase die Reibung, die einerseits zwischen Eltern und Kindern entsteht, aber auch wir erzeugen diese Reibung. Da geht es um Themen wie Mediennutzung oder Ausgehen, Grenzen setzen. Da ist oft eine Rat- und Hilflosigkeit bei den Eltern spürbar. Und auch unser Leben als Erwachsene ist anstrengender geworden durch neue Medien und technische Möglichkeiten. Wir als Eltern sind damit oft überfordert, was nicht weniger wird, wenn mir der Einblick fehlt. Eingebettet in den Schulablauf ergeben sich vor allem aus den Mentor*innen-Treffen, Ansatzpunkte zum Austausch. Die Schüler*innen bekommen jede Woche eine Frage gestellt, die sie in ihrem „Journal“ beantworten, z.B. „Was möchtest du noch erreichen?“ oder „Wo möchtest du Hindernisse überwinden?“. Die Antwort lesen nur die Mentor*innen. Teilweise sind die Gedanken und Ausführungen sehr berührend und dienen als Anlässe für sehr persönliche und emotionale Gespräche. Natürlich habe ich bei diesen Gesprächen auch Zeit, ins Studienbuch zu schauen und zu reflektieren. Manchmal müssen auch Themen aus den Community Treffen nachbesprochen werden, wie die tägliche Abgabe des Handys. Auch das Ändern von Gewohnheiten ist manchmal mit Emotionen behaftet, denn das fällt Menschen ja allgemein und im Jugendalter ganz besonders schwer.
Eigentlich gehört ja das Rausgehen zum Erdkinderplan…
Riki M.-M.: Daran arbeiten wir noch. Es ist schon so, dass Schüler*innen in diesem Alter gerne drinnen sind. Sich in Höhlen
verkriechen ist gerade eher angesagt als nach draußen gehen. Es gibt schon welche, die jammern, dass der Pausenhof nicht so einladend ist. Interessanterweise waren in der Zeit, als es noch warm draußen war, unsere Oberstüfler mehr draußen als unsere Jugendstüfler. Mein Plan ist es, auch mal eine Woche anzubieten, in der wir draußen schlafen, aber wir können die Jugendlichen natürlich nicht dazu zwingen. Es gibt auch Außensport und Ausflüge, aber wenn wir z.B. einen Bauernhof oder ein Grundstück hätten, wie im Erdkinderplan vorgesehen, wären die Jugendlichen auch im Alltag mehr draußen, denn dann fände das ganze Konzept mehr draußen statt.
Seid ihr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung?
Riki M.-M.: Wir haben hier bei uns gerade eine richtige Aufbruchsstimmung. Wir stagnieren nicht und sind noch voll am Planen und was Neues schaffen. Ich weiß nicht, ob man es in dieser Größe noch Erdkinderplan nennen kann oder wir dafür eigentlich schon zu groß sind. Die anderen Erdkinderplan-Schulen sind eher klein. Die haben ca. 25 Schüler*innen, aufgeteilt in zwei Gruppen, die sich zwischen Schule und Bauernhof abwechseln. Unser Traum, an dem wir nun schon ziemlich konkret dran sind, ist ein Grundstück, auf dem wir was anbauen und draufbauen dürfen und in der Gestaltung offen und frei sind. Ganz wichtig ist es, uns auf die Bedürfnisse der Jugendlichen zu fokussieren und zu versuchen das, was uns Maria Montessori mitgegeben hat, in dieser Größenordnung umzusetzen ohne gleich alles sofort umzukrempeln. Insofern ist es wie ein Aufbruch ohne alles abzubrechen, auf einem Weg, den wir gerade Schritt für Schritt weitergehen.
Kritik kommt auch aus den Reihen der 8. Klässler, die letztes Jahr die Jugendstufe im früheren Konzept kennengelernt haben…
Riki M.-M.: Für 8. Klässler war die Veränderung schwer. Sie wurden mit der Auflösung des alten Klassenverbandes aus ihrer Komfortzone geholt. Sie haben jetzt keinen Klassenlehrkraft mehr, die täglich für sie vor Ort ist, sondern pädagogische Assistent*innen. Ich interpretiere es mal so, dass sie sich evtl. mehr Grenzen gewünscht hätten. Es ist nun eine verbindliche Bezugsperson weggefallen und manche haben das Gefühl, dass ihnen die Struktur fehlt. Stattdessen haben sie nun mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei der Freiarbeit aber auch mehr Selbstverantwortung. Dies wird teilweise als anstrengend empfunden. Früher wurden Aufgaben vorgegeben, nun suchen sie sich Aufgaben aus einer einer das ihnen vorgibt. Nach der Änderung war vermutlich erst mal das Gefühl da, dass Struktur fehlt, obwohl sich eigentlich nur der Gestaltungsfreiraum innerhalb der vorgegebenen Struktur geändert hat. Nach dem Mittagessen werden beispielsweise im Kreis die Angebote vorgestellt und zum Teil auch eingeteilt. Die letzte halbe Stunde am Nachmittag fällt ihnen dann extrem schwer, da sind sie durch. Die Selbstverantwortung, die sie nun haben, wird als anstrengend empfunden.
Was sind noch Herausforderungen in der Jugendstufe?
Riki M.-M.: Als äußerst anstrengend werden die nun erweiterten Sozialkontakte empfunden. Sie wollen und sollen nun viel gemeinsam machen. Jugendliche in der Mittelstufe sind noch am Forschen und am wissenschaftlichen Arbeiten interessiert, das hat auch Maria Montessori schon so als gemeinschaftliches Miteinander eingeplant. Wenn sie älter sind und schon pubertieren, passen sie zum Teil nicht mehr mit denen zusammen, die noch vorpubertär sind. Wichtig sind dann die Freund*innen und das soziale Miteinander. Wie ticken die anderen? Wie ticke ich? Das ist vorwiegend von Interesse, wird aber auch als anstrengend empfunden. Wo vor allem die Mädchen ausführlich über Probleme und Themen bis ins Detail diskutieren, wollen die Jungs sich gerne eher vergleichen. Derzeit sehen wir auch, dass Jungen und Mädchen im Alltag schon noch getrennt sind, aber nicht mehr so stark wie vorher. Die Erfahrung zeigt, dass das nach dem Schullandheim erst richtig gemeinschaftlich wird.
Welche weiteren Ideen und Pläne gibt es?
Riki M.-M.: Neben dem neuen Grundstück, an dem wir dran sind, ist eine weitere spannende Idee, mal die eigenen Räumlichkeiten gegen Miete zur Verfügung zu stellen, beispielsweise für Übernachtungen oder um am Wochenende mal Essen anzubieten. Aber so weit sind wir derzeit noch nicht. Wenn ich wie beispielsweise bei anderen Konzepten mit den Kindern auf einem Bauernhof lebe, dann ist das „ihr“ Bauernhof, auf dem sie auch etwas erwirtschaften möchten. Da das bei uns aber ein Schulgebäude ist, sind unsere Gegebenheiten natürlich anders. Trotzdem müssen wir auch andere Interessen im Blick behalten z.B. wenn wir eine Abendbewirtung machen wollten, gibt es genau dafür ja eine Elterninitiative, die dann ein Veto einlegen würde.
Wichtig ist, dass wir ein Konzept haben, das ganzheitlich funktioniert. Also wenn wir durch eine Aktivität etwas einnehmen, müsste das auch zweckgebunden eingesetzt werden können. So weit sind wir aber noch nicht, da es hier viele Hürden gibt, die extrem frustrieren und letztendlich sogar lähmen können, wie wir leider bereits erfahren mussten. Da müssen wir pädagogische Fachkräfte versuchen, die Motivation zu stärken und die Jugendlichen dazu zu bringen, für ihre Wünsche trotz Rückschlägen weiterzukämpfen.
Wie kommt der Erdkinderplan mit Studierzeit bei Schülerinnen und Schülern an? Wie haben sie die Änderungen in den letzten drei Monaten in ihrem Schulalltag er- und durchlebt? Ein Gespräch mit Maria, Lillith, Klara, Noel und Ali aus der 8. Klasse
und Erik, Mads, Aurora, Mara, Emily und Giuliano. Was hat sich für euch geändert und wie geht es euch heute damit?
Erik: Der Start in der Früh ist schwer. Du kommst in die Schule und hast die Möglichkeit Tischtennis zu spielen und sollst trotzdem ins Arbeiten reinkommen. Wenn du die Entscheidung hast zwischen Arbeiten oder Tischtennis, geht die Entscheidung schon eher in Richtung Tischtennis.
Lillith: Am Anfang des Schuljahres war es schwierig, sich an das neue Klima zu gewöhnen, da es ja keine Klassen mehr gibt. Am Anfang war es auch schwierig, seine Aufgaben selbst zu finden. Ich habe mich in das neue System eingewöhnen müssen, aber mittlerweile geht’s relativ gut. Das einzige ist die Ablenkung, dass du sein kannst, wo du sein möchtest. Du hast den Raum, dich frei zu bewegen und die Kontrolle ist nicht mehr da. Trotzdem funktioniert das mittlerweile gut.
Maria: Ich fand’s erst mal ungewohnt und denke aber, dass ich dieses Jahr auf jeden Fall produktiver bin als letztes Jahr.
Klara: Ich bin schwer eingestiegen und habe da am Anfang auch was falsch verstanden. Jetzt geht’s eigentlich, aber ich finde, es gibt keine gute Lernatmosphäre mehr und ich lerne jetzt weniger. Ich bräuchte einen festen Sitzplatz und es stört mich, dass jetzt jeder überall rumlaufen kann. Die Ruhe zum Lernen fehlt.
Giuliano: Ich finde, das Schulsystem ist besser als das im letzten Jahr. Zum einen, weil man mehr Freiheit hat, was mehr Spaß macht, aber andererseits ist es fast zu viel Freiheit. Letztes Jahr war die Arbeit produktiver. Dazu finde ich es zu unruhig und es erinnert mich mehr an Freizeit als an Schule.
Ali: Ich finde das Schulsystem gut. Man hat mehr Freiheiten und kann sich selber einteilen, was man arbeiten möchte. Manchmal ist es schwierig, so richtig ins Arbeiten zu kommen und ich finde, man wird nicht richtig gesehen, wenn man z.B. mal was nicht gemacht hat. Die Lehrer und Lehrerinnen kontrollieren nicht immer, ob man alles erledigt hat, auch in der Mentorenzeit nicht.
Noel: Ich fand es in den letzten Jahren besser, denn da hatte ich mehr Struktur. Da gab’s ne strikte Reihenfolge: man kam rein und hat die Hausaufgaben gezeigt. Jetzt kommt man rein, isst was und spielt erst mal Tischtennis. Es ist besser für mich, wenn ich erst mal fest arbeite, anstatt Tischtennis zu spielen.
Aurora: Es ist besser als letztes Jahr, dass man mehr Freiheit hat, aber manchmal hat man zu viel davon, sodass man nicht richtig ins Lernen reinkommt. Man kann überall hin und mehr entscheiden. Emily: Ich finde dieses System besser als das Alte, auch wenn man nicht so schnell ins Arbeiten kommt, aber gut ist, dass man mehr Freiheiten hat und dadurch auch selbständiger wird. Das haben viele nicht gelernt.
Maria: Ich finde es nicht besser als das Alte. Für mich ist es ähnlich. Du kommst schwer ins Arbeiten rein. Es ist so: Du sitzt da und arbeitest und dann kommen Deine Freunde vorbei, die gerade Pause haben und dann bist du da auch schnell dabei und unterhältst dich. Man kann sich da schnell ablenken lassen. Am Anfang war’s schwierig mit den Fächern – wann findet was statt und wo muss ich hin.
Ihr habt ja mittlerweile auch viele praktische Tätigkeiten und Dienste zu erledigen. Wie geht’s euch damit?
Lillith: Die hatten wir letztes Jahr auch schon unter dem Namen „Klassendienste“. Jetzt kümmerst du dich um die Pfl anzen und einen Raum. Letztes Jahr waren es noch kleinere Dienste wie Tafelwischen oder Aufräumen und Kehren. Das gab es bereits seit der Mittelstufe und im älteren Konzept.
Klara: Ich finde, jetzt sind wir schon noch mehr auf die Dienste fokussiert. Am Morgen kommst du rein und wirst gefragt, hast du deinen Dienst gemacht? Das wurde vorher nicht so streng kontrolliert.
Giuliano: Ich finde es auch etwas übertrieben. Verantwortung übernehmen ist zwar gut, ich finde aber, die Erwachsenen sollten mehr eingreifen, wenn wir uns nicht an die Regeln halten. Die sind doch dafür da, um etwas strenger zu sein und uns etwas beizubringen.
Setzt ihr euch untereinander Grenzen, wenn was nicht passt?
Giuliano: Nö.
Ali: Die Lehrerinnen sind dann auch mal eine Zeit lang nicht mehr in dem Raum, in dem wir arbeiten, und dann arbeiten die Kinder oft auch nicht mehr. Ich fände es schon richtig, wenn sie wieder mehr nach uns schauen würden.
Erik: Ich habe manchmal das Gefühl, wenn ich einen Dienst nicht mache, gibt’s Ärger und wenn ich Mathe nicht mache, dann passiert gar nix. Wenn man nur so tut und den Taschenrechner nimmt, dann geht’s.
Aber ihr müsst ja bis zur nächsten Epoche ein Ergebnis geschafft haben?
Klara: Ja, aber die Tests sind nicht so wichtig.
Lillith: Es gibt keine Konsequenz, wenn die Tests nicht gut sind.
Noel: Es sind dann halt auch keine 18 Kinder mehr zu beaufsichtigen, sondern 80 und in den Mentorengruppen wird vor allem aufs Studienbuch und aufs Journal geachtet. Mehr nicht.
Maria: Letztes Jahr haben die Lehrinnen und Lehrer sich das angeschaut und es hat sie mehr interessiert, was man gemacht hat und wie weit man gekommen ist. Jetzt wenn ich eintrage, ich habe Mathe gemacht, dann reicht das schon. Es wird aber nicht kontrolliert, ob ich’s wirklich gemacht habe. Wenn der Test nicht gut ausfällt, dann wird eben was anderes gemacht.
Wie geht’s euch mit eurer Mentorengruppe? Was wird dort gemacht?
Maria: Am Anfang des Jahres wurde man einem Mentor oder einer Mentorin zugeordnet und sollte ein kleines Büchlein – ein Journal – mitbringen, in das man etwas eintragen kann. Anfang der Woche gibt es immer ein Thema z.B. „Wie wichtig ist dir dein Handy?“ Oder „Wie gehen wir miteinander um?“ Dann musst du dazu ein paar Sätze schreiben und am Freitag gibt man das in der Mentorengruppe wieder ab. Du kannst dann mit deinem Mentor auch besprechen, wenn du Probleme hast. Das ist echt ok.
Klara: Wir reden sehr viel z.B. über Filme und auch über wichtige Themen. Keine Schule, sondern viel Redezeit. Manchmal sind die Kinder auch frech und reden durcheinander. Dann wird es manchmal unruhig und laut.
Was ist denn das Positive an den Gruppen?
Lillith: Es ist schön, wenn man mal in einer kleineren geregelten Gruppe ist. Was Klara angesprochen hat mit der Lautstärke und dem Rumalbern, ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Auch der Umgang miteinander. In meiner Gruppe ist es immer sehr ruhig. Wir besprechen immer die Journal-Fragen und auch das Studienbuch wird immer besprochen. Meistens gibt es noch organisatorische Dinge. Das Klima in der Gruppe hängt stark von den Kindern dort ab.
Klara: Das stimmt, die einen lernen mehr, die anderen spielen Spiele oder reden.
Lillith: In der Mentorengruppe hat man einen Haltepunkt. Es ist ein Unterschied, ob du deinen Mentor oder einen anderen Lehrer ansprichst. Dort gibt es das Gefühl einer Klasse. Das ist angenehm.
Noel: Wir machen in der Gruppe Konzentrationsspiele oder Gemeinschaftsspiele, um sich besser kennenzulernen.
Wenn ihr euch was wünschen könntet, was sich noch ändert, was wäre das?
Aurora: Ich wünsche mir eigentlich nichts. Ich will es erst mal ein Jahr ausprobieren und schau mal, wie es wird. Ich find’s ganz gut.
Maria: Ich würde mir mehr Konsequenzen für Themen wünschen, die man nicht oder falsch macht. Außerdem wünsche ich mir eine andere Raumaufteilung. Jetzt ist es nach verschiedenen Fächern aufgeteilt. Den Jugendraum finde ich cool. Aber ich kann z.B. im Spracheraum Mathe machen und im GPG Raum Englisch. Ich würde mir das etwas geregelter wünschen.
Lillith: Ich würde mir mehr Ruhe wünschen und mehr Konsequenzen, wenn diese Ruhe nicht eingehalten wird. Ich habe zwar keine Konzentrationsschwierigkeiten, würde aber eben auch nicht in den Zoo gehen, um meine Hausaufgaben zu machen.
Noel: Besonders würde ich mir das alte Konzept wieder zurückwünschen. Ich fand das viel besser. Und meine alte Lehrerin. Die hat gesagt: „Jetzt setzen wir uns hin und machen Mathe“ oder „Jetzt werden die Hausaufgaben gezeigt“.
Klara: Ich wünsche mir, dass wir den Fokus wieder mehr aufs Lernen setzen und nicht auf den Spaß. Und Ruhe wünsche ich mir.
Erik: Ich wünsche mir weniger Ablenkung. Manche spielen Tischtennis, dann spielst du auch Tischtennis. Dann willst du arbeiten und es sind wieder welche beim Tischtennis. Da kommt man dann gar nicht ins Arbeiten rein. Es gibt einfach keinen Raum, wo man in Ruhe arbeiten kann. Irgendwelche rennen immer durch und spielen Fangen oder reden.Aurora: Ich wünsche mir eigentlich nichts. Ich will es erst mal ein Jahr ausprobieren und schau mal, wie es wird. Ich find’s ganz gut.
Maria: Ich find’s auch ganz gut. Ich denke, das mit dem Verantwortung übernehmen, können viele schon ganz gut. Und die, die es nicht können, auf die sollten die Lehrerinnen und Lehrer zugehen und ihnen sagen „Jetzt bist du mal leise und machst was anderes“. Das würde ich mir etwas mehr wünschen. Sonst finde ich’s ganz gut.
Emily: Was ich mir wünsche, betrifft den Pausenhof. Da gehen irgendwelche Leute hin.
Klara: Ja, das stimmt. Da sind irgendwelche Anwohner. Die Schule hat ihnen angeboten, dass sie auf den Hof kommen und ihn nutzen dürfen, um ihnen was zurückzugeben. Wir haben uns auch was für uns auf diesen Pausenhof gewünscht, aber können da einfach nichts machen, weil er auch recht hügelig ist.
Lillith: Ja, wegen der Bewässerung dürfen wir auf dem Hof auch nicht rennen, nichts draufstellen. Manche Leute schmeißen da einfach ihren Müll hin und auch andere eklige Sachen.
Was würdet ihr denn gerne auf eurem Hof machen?
Lillith: Wir sind ja 80 Kinder und viele wünschen sich einen eigenen Basketballkorb oder einen Fußballplatz oder eine zweite Tischtennisplatte. Dann gibt es manchmal auch zu wenig Essen, das Essen vom Caterer ist nicht lecker. Wir kochen zwar was dazu, aber das trifft nicht immer den Geschmack von Teenagern.
Klara: Es gibt schon manchmal leckeres Essen aber oft zu wenig Vegetarisches. Manche nehmen sich dann 5-Minuten-Nudeln mit, das gefällt den Erwachsenen nicht.
Lillith: Wir können aus zwei Gerichten auswählen für alle. Etwas mehr Abwechslung und auch mal was Neues vom Caterer wäre gut – ein Wunschessen, das man über einen Zettel angeben kann. Zum Beispiel Milchreis!
Klara: Ja, der ist lecker! Aber ich denke auch, dass man es eben nicht immer allen recht machen kann.
Der Erdkinderplan an anderen Schulen
Laura Behrens und Cosima Müller von Blickpunkt Montessori begleiten auch andere Schulen bei der Umsetzung der Lehre von Maria Montessori
in die Praxis. In ihrem Podcast "Montessori Talk" geben sie interessante Einblicke, wie der Erdkinderplan an anderen Einrichtungen umgesetzt wird.
Alle Folgen gibt es unter: https://www.blickpunkt-montessori.de/podcast
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